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Atomenergie gegen Erneuerbare

Ewigkeitskosten – Ewigkeitsgewinne

Foto: Roland Horn

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Jörg-Rainer Zimmermann, 11.06.14
Bei erneuerbaren Energien wachsen Leistung und Erzeugung, bei der Atomenergie dagegen nur die Kosten – und zwar unkalkulierbar. Die Energiekonzerne wollen den Atomausstieg daher in eine „Bad Bank“ auslagern, die Zeche würden am Ende wohl die Bürger zahlen. Es wird Zeit für eine ehrliche Kostendebatte.

„Ewigkeitslasten“ – so nennt man die Folgen des Steinkohlebergbaus, die nach derzeitigem Stand die Menschheit noch unfassbar lang beschäftigen werden. Konkret sind damit Dauerbergschäden, Grundwasserreinigung und das Abpumpen des Grundwassers gemeint. Die öffentliche Hand und die Industrie haben in einer Vereinbarung von 2007 für diese „Ewigkeitsaufgaben“ die RAG-Stiftung ins Leben gerufen, deren Geld von Industriebeteiligungen kommen soll. Auf 13,1 Milliarden Euro hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG die nötigen finanziellen Mittel. Eine endliche Summe für „Ewigkeitskosten“!? Egal, könnte man meinen, denn besagte Vereinbarung regelt, dass bei einem Versiegen des RAG-Vermögens der Staat – mithin der Steuerzahler – einspringt, auf unbegrenzte Zeit.

Ein Modell, das dieser Tage Schule macht: Die großen Energiekonzerne fordern eine Stiftung, um den Atomausstieg abzuwickeln. Erneut geht es bei dieser Atom-Bad-Bank um Ewigkeitslasten. Und damit um Ewigkeitskosten. Würde es die Logik hergeben, stellten diese Kosten sich sogar ‚ewiger‘ dar. Hochradioaktiver Müll ist auf Jahrmillionen hin eine lebensgefährliche Bedrohung. Garantiert. Die Akteure sind damals wie heute fast die gleichen: RWE, Eon und Co.

Perfide zwar, aber kaum ein Wunder, dass man die finanziellen Risiken dieses Milliarden-Problems auf ähnliche Weise in den Griff bekommen will wie in Sachen Steinkohle: Am Ende dürfte die Zeche wieder der Bürger zahlen. Müsste die Industrie nach dem Verursacherprinzip für die Probleme in vollem Umfang geradestehen, drohten gigantische Pleiten. Denn dass Kernenergie-Projekte schnell unkalkulierbar teuer werden können, dieser Nachweis kann leicht erbracht werden. Mehr dazu lesen Sie in der Juni-Ausgabe von neue energie.

Teure Ausschreibungen

Das Geschäftsmodell Atomenergie versagt. Das Geschäftsmodell erneuerbare Energien ist aussichtsreicher. Das sagt etwa eine Studie der Denkfabrik Agora Energiewende. Und es lässt sich leicht an der Lernkurve ablesen, die die Erneuerbaren-Branche zurzeit durchläuft, etwa in Sachen Offshore – dort werden die Anlagen immer leistungsfähiger, wobei man langsam auch die Kosten besser in den Griff bekommt.

Dass die Lobby der alten Energiewirtschaft im Verbund mit der Politik diesem Siegeszug der Erneuerbaren – immerhin liegt der Anteil am deutschen Energiemix bereits bei 27 Prozent – Steine in den Weg legen will, erscheint fast natürlich. Ein ziemlicher Brocken ist in diesem Zusammenhang das von der Bundesregierung ab 2017 geplante so genannte Ausschreibungsmodell, mit dem künftig die Vergütungshöhen für Erneuerbare ermittelt werden sollen. Dass dieses Marktinstrument im Wesentlichen nicht funktioniert, die Energiewende hierzulande damit sogar teurer wird, zeigt eine Analyse des Instituts für Zukunftsenergiesysteme Izes im Auftrag des Bundesverbands Erneuerbare Energie. Niemand soll hinterher sagen, die Erneuerbaren-Branche habe nicht darauf hingewiesen.

Dass die großen Energieversorger mittlerweile auch auf Erneuerbare setzen und diese Konzernbereiche äußerst profitabel sind, mag da fast wie eine Ironie der Geschichte klingen. Zugleich ist es ein Beweis dafür, dass die Erneuerbaren der Schlüssel zu „Ewigkeitsgewinnen“ sind – im besten Fall für die gesamte Menschheit. Wenn man die Kostendebatte ehrlich führt.

Dieser Text ist in geänderter Fassung als Editorial der Juni-Ausgabe von neue energie erschienen.

Die Anti-Atomkraft-Organisation .ausgestrahlt hat eine Unterschriftenaktion gegen die Pläne der Energiekonzerne für eine „Bad Bank“ gestartet. Auf www.ausgestrahlt.de/badbank fordern bereits mehr als 35.000 Menschen von der Bundesregierung, die Atomkraftbetreiber nicht aus der Haftung für den Rückbau der Meiler und die Lagerung des Atommülls zu entlassen.

 

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