Bücher

  • Murman Verlag GmbH
ISBN Nr.: 
9783867742634
Claudia Kemfert
,
Murmann Verlag
Murman Verlag GmbH

Kampf um Strom – Mythen, Macht und Monopole

16,90 Euro

Rezension

Eigentlich ist die Sache mit der Energiewende ganz einfach: Fossile Energieträger werden knapper und damit immer teurer. Bei der Verbrennung werden Treibhausgase freigesetzt, die dem Klima schaden. Erneuerbare Energien bieten für beide Probleme eine Lösung. Das zumindest ist die Ausgangslage, wie sie Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), in ihrem neuen Buch „Kampf um Strom" beschreibt.

„Die Frage, ob wir eine grüne Energieversorgung haben werden, ist längst entschieden“, erklärt Kemfert daher. Jetzt gehe es um die konkrete Ausgestaltung und darum, wer gewinnt und wer verliert: Macht und Einfluss, alte und neue Pfründe, Geld. Darum „tobt ein Kampf um Strom, in dem vernünftige Entscheidungen kaum mehr möglich scheinen“, so Kemfert, die zugleich Professorin für Energiewirtschaft und Nachhaltigkeit an der Hertie School of Governance in Berlin ist. Das Problem: „Die Gegner der Energiewende bilden eine geldmächtige Lobby. Sie sind dadurch lauter und einflussreicher als die Lobby der Befürworter.“

Der zunehmende Erfolg der Energiewendegegner gefährde das gesamte Projekt. Kemfert will ihr Buch dazu nutzen, das Netz aus Mythen und Halbwahrheiten, das die Energiekonzerne rund um die Energiewende spinnen, zu zerreißen – und ihre Argumente zu entkräften. So entlarvt sie die Behauptung, es bleibe nicht genug Zeit, die Energiewende zu schaffen, als Propaganda-Erfolg derer, die sie verhindern wollen.

Einen großen Teil ihres rund 140 Seiten umfassenden Buches widmet Kemfert der Frage nach den Kosten der Energiewende. Die Energiewende sei nicht zum Nulltarif zu haben, daher müssten die Kosten richtig verteilt werden. Kemfert fällt es merklich schwer, Wirtschaftsminister Rösler seine Rolle als Robin Hood der sozial Schwachen abzunehmen. Überhaupt muss die Bundesregierung Kritik einstecken: „Die gegenwärtige Regierung tut nichts, um die Mythen der Energiewende als solche zu entlarven.“ Da wundert es die Autorin auch nicht mehr, wenn ein Portrait über Peter Altmaier im Spiegel „kaum Inhaltliches über die Energiewende zu berichten weiß, dafür aber umfassend über Altmaiers Essgewohnheiten informiert“.

Was Kemfert schließlich optimistisch stimmt, sind die vielen positiven Einzelprojekte: Ob energieautarke Kommunen in Süddeutschland oder eine Grünstrom-Initiative der Deutschen Bahn, der Ausbau von Solarenergie in Kalifornien oder der Einsatz von Elektrobussen in Shanghai – Kemfert ist sich sicher: „Die ‚Energiewende von unten‘ wird deutlich erfolgreicher sein als die ‚Energiewende von oben‘.“ Kemfert ist es in ihrem Buch gelungen, Hintergründe und Interessenkonflikte der energiepolitischen Debatte in Deutschland offenzulegen und zu erklären. Um ihre Argumentation zu stützen, hätte die Autorin allerdings nicht komplett auf Fußnoten oder ein Quellenverzeichnis verzichten sollen. Wer sich tagtäglich intensiv mit der Energiewende beschäftigt, der wird nur wenig Neues erfahren. Alle anderen lesen mit Kampf um Strom einen packend geschriebenen Essay.

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