Longread aus 2023/2024

Zerstörte Anlagen und grüne Pläne

Während der Krieg mit Russland noch andauert, beschäftigt sich die Ukraine mit dem Wiederaufbau. Die Regierung will das Land zu einem Großerzeuger CO2-freier Energie für Europa machen.
Von:  Tim Altegör
31.05.2024 | 13 Min.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa/picture alliance

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 07/2023 von neue energie.

Am 22. Mai 2023 konnte der ukrainische Energiekonzern DTEK einen besonderen Erfolg verkünden: Der erste Teil des Windparks Tyligulska ging in Betrieb, in der Region Mykolajiw im Süden des Landes und damit nicht weit entfernt von der Frontlinie zwischen ukrainischer und russischer Armee. Baubeginn war laut DTEK im Dezember 2021, nach Russlands Angriff im Frühling 2022 wurden ausländische Arbeitskräfte abgezogen, ab dem Sommer gingen die Arbeiten dennoch weiter, mit kugelsicheren Westen und regelmäßiger Flucht in Luftschutzbunker.

Jetzt erzeugen 19 Anlagen mit zusammen 114 Megawatt Leistung dort Ökostrom, in Zukunft soll der Park auf 500 Megawatt wachsen. Vorausgesetzt die nötigen Millionen-Investitionen aus dem Ausland kommen zustande – Unternehmenschef Maxim Timchenko wertete die Inbetriebnahme als Signal, dass man dafür nicht bis zum Kriegsende warten müsse.

Große Teile des ukrainischen Energiesystems sind aktuell beschädigt, zerstört oder außer Betrieb. Das bekannteste Beispiel ist das von Russland besetzte Atomkraftwerk Saporischschja. Ab Oktober bombardierte die russische Armee gezielt Energieinfrastruktur, DTEK etwa berichtet von mehr als 30 Angriffen auf seine Kraftwerke, bei denen mehrere Mitarbeiter getötet oder verletzt wurden. Nach Regierungsangaben sank die Kapazität zur Stromerzeugung von knapp 55 auf 32 Gigawatt, wobei auch der Verbrauch fast halbiert wurde. Denn Fabriken stehen ebenfalls still, und zahlreiche Menschen sind aus dem Land geflohen.

Der Ökostrom-Anteil lag vor dem Krieg bei etwa zehn Prozent, das meiste davon kam aus Solarenergie und Wasserkraft, gefolgt von Windenergie. Weil dort die besten Wetterbedingungen herrschen, stand ein Großteil der Solar- und Windenergieanlagen jedoch im Südosten des Landes, in dem nun die Front verläuft. Nach Angaben des ukrainischen Windenergieverbands gingen Dreiviertel der installierten Leistung vom Netz.

Für das erste Jahr seit Kriegsbeginn, von Februar bis Februar, schätzt die Weltbank den Schaden im Energiesektor auf mehr als zehn Milliarden US-Dollar. Der gesamte Wiederaufbau des Landes werde mehr als 411 Milliarden Dollar kosten, elf Prozent davon im Energiesystem. Seitdem sind weitere schwere Schäden hinzugekommen, wie die Zerstörung des Kakhovka-Staudamms inklusive des dortigen Wasserkraftwerks.

Regierung setzt auf Wasserstoff

Auch zu den Klimafolgen des ersten Kriegsjahrs gibt es eine Berechnung, ein Bericht des ukrainischen Umweltministeriums und der NGO Ecoaction kommt auf 120 Millionen Tonnen CO2, was in etwa den jährlichen Emissionen von Belgien entspricht. Den größten Anteil daran hat die nötige Reparatur ziviler Infrastruktur, gefolgt von Emissionen des Militärs und vermehrten Waldbränden.

Bei aller Unsicherheit über die weitere Entwicklung steht der Ukraine also ein gewaltiger Wiederaufbau bevor – und die Frage, wie genau das Land danach aussehen soll. Was den Energiesektor angeht, lautet die Botschaft der Regierung: Er soll dezentraler funktionieren als bisher, mit mehr erneuerbaren Energien, und dadurch auch weniger angreifbar sein als das alte System. Und die Ukraine soll zur europäischen Energie-Drehschreibe, einem „Energy Hub“ werden, der vor allem Wasserstoffprodukte Richtung Westen exportiert.

Auf der diesjährigen „Ukraine Recovery Conference“ im Juni 2023 in London stellte Energieminister German Galushchenko das Grundgerüst einer neuen Energiestrategie vor, wobei die Zahlen offenbar noch nicht final festgeschrieben sind. Demnach soll der Strombedarf im Land bis 2050, wenn die Ukraine klimaneutral sein soll, von zuletzt 109 auf 700 Terawattstunden massiv anwachsen. Mehr als die Hälfte, 400 Terawattstunden, sind letztlich für den Export innerhalb Europas vorgesehen: 221 Terawattstunden für die Erzeugung von Wasserstoff, 34 für Stromexporte, 123 für im Land produzierten CO2-freien Stahl und 21 für Ammoniak als Düngemittel – beides Endprodukte, die ebenfalls Wasserstoff erfordern.

Mit Kohlestrom soll 2035 Schluss sein. Um die erforderlichen Strommengen zu produzieren, soll die Windenergiekapazität bis 2050 von 0,4 auf 140 Gigawatt steigen, beim Solarstrom sind 94 statt heute knapp sieben Gigawatt angesetzt. Als Standorte setzt die Regierung laut ihrer Präsentation auch auf die umkämpften oder besetzten Gebiete. Zudem plant sie, eine einheimische Produktion für weite Teile der benötigten Technologien wie Batterien und Solarmodule aufzubauen.

Trotz des Krieges sei die Ukraine „geeint, widerstandsfähig und ambitioniert“, sagt die Beraterin des ukrainischen Energieministers Yulia Rybak. „Und in diesem Sinne haben wir eine sehr ambitionierte Energiestrategie. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir sie umsetzen können. Wir glauben, dass wir ein europäischer Energy Hub werden können, ein verlässlicher Exporteur von Strom, grünem Wasserstoff und Biomethan. Wir haben definitiv das Potenzial.“

Rybak ist zudem Co-Leiterin des Sekretariats der Deutsch-Ukrainischen Energiepartnerschaft. Diese Kooperation besteht seit 2020, unter anderem laufen darüber Projekte zum Strukturwandel in ukrainischen Kohleregionen. Schon vor dem Krieg habe der Schwerpunkt auf Dekarbonisierung, Energieeffizienz und Erneuerbaren sowie Plänen zum Anziehen von Investitionen für grüne Wasserstoffprojekte gelegen, sagt Rybak. Dann sei die Partnerschaft neu ausgerichtet worden, auf Nothilfe für den ukrainischen Energiesektor. Das Sekretariat organisierte Spenden deutscher Unternehmen, Beschaffungen nötiger Teile, zudem flossen Millionenhilfen der deutschen Regierung über den Ukraine Energy Support Fund.

Partnerschaft mit Deutschland

„Dank dieser Hilfe ist die Stromversorgung wieder hergestellt und notwendige Reparaturen sind gemacht.“ Jetzt habe die Energiepartnerschaft zwei Säulen, sagt Rybak. Die kurzfristige Nothilfe, die mit Blick auf die kommende Heizperiode und die Zerstörungen auch weiterhin gebraucht werde, sowie langfristige Planungen für einen grünen Wiederaufbau. Im Frühling unterzeichneten die Energieminister beider Länder eine Erweiterung der Partnerschaft, die sich darauf konzentriert.

Es gehe darum, den Energiesektor nachhaltig wieder aufzubauen, dezentraler und widerstandsfähiger, sagt Rybak. „Für Wind und Solar gibt es bereits Investoren, die bereit sind, zurückzukommen und ihre Projekte von vor dem Krieg fertigzustellen.“ Dafür seien transparente Marktregeln nötig, an denen die Regierung arbeiten will, und außerdem Versicherungen, um eine gewisse Absicherung und Stabilität zu bieten.

Beim Wasserstoff seien als erster Schritt Machbarkeitsstudien für Pilotprojekte nötig, für die sich Rybak finanzielle Unterstützung erhofft. „Wenn wir gut vorbereitete Machbarkeitsstudien haben, wird es viel einfacher sein, Investoren zu finden. Und ich hoffe, bis dann brauchen wir keine Kriegsversicherungen mehr, weil wir gewonnen haben. Aber mit den Vorbereitungen müssen wir jetzt sofort anfangen.“ Zum Beispiel sei die Entwicklung eines Biomethan-Registers gestartet, um die in der EU geforderten Herkunftsnachweise bieten zu können, für Wasserstoff lasse sich dann darauf aufbauen.

Oleg Gramotenko findet den Ansatz gut, auf Wasserstoff-Exporte zu setzen. Er ist Geschäftsführer von Tesla Energo, einem Unternehmen mit Sitz in der Region Schytomyr im Norden der Ukraine, das sein Geld mit Photovoltaik-Projekten und energetischen Sanierungen verdient. In den vergangenen Jahren habe Tesla Energo mit Investoren aus der EU insgesamt 110 Megawatt Photovoltaik errichtet. Die müssten allerdings nun mit großen Verlusten leben, weil die Einspeisetarife seit Kriegsbeginn nur noch teilweise gezahlt wurden. Zum Firmen-Portfolio gehört laut Gramotenko auch Agri-Photovoltaik, etwa mit einer Blaubeeren-Farm, das sei aber eher ein soziales Projekt als ein Geschäftsmodell.

Die einzig vernünftige Idee ist, die Ukraine vollständig mit dem europäischen Strommarkt zu verbinden.“ Oleg Gramotenko, Unternehmer

Der ukrainische Energiesektor sei noch sehr reformbedürftig, sagt Gramotenko. Mit Blick auf die Situation vor dem Krieg könne von einem echten Markt keine Rede sein, es habe Hintertür-Absprachen über Energiepreise gegeben und ein paar Oligarchen, die durch die Größe ihrer Unternehmen das System beherrschen. Das Ergebnis sei „ein Oligopol, kein freier Markt“. Auch DTEK gehört einem schwerreichen Oligarchen, Rinat Achmetow. Bislang hat das Unternehmen vor allem Kohlestrom erzeugt, jetzt will es bis 2040 CO2-neutral werden und ist laut dem Branchenverband der größte Windparkbetreiber im Land.

„An ein neues System glaube ich erst, wenn ich die Gesetze sehe, die es offen und transparent machen“, sagt Gramotenko. Schritte in diese Richtung gibt es, vor Kurzem etwa die Übernahme der „Remit“-Regulierung aus der EU, die zum Beispiel Insidergeschäfte im Stromgroßhandel verhindern soll. Gramotenko hält ebenfalls eine dezentrale Versorgung für den richtigen Weg. Die Stromerzeugung müsse so nah wie möglich am Verbrauch liegen, um Übertragungsverluste zu vermeiden, die im veralteten ukrainischen Netz mit der Zeit zugenommen haben. Auch die Probleme mit der Konzentration der Erneuerbaren im Süden zeige, dass Diversifizierung angezeigt sei.

Synchronisation mit Europa

Außerdem sei ein tragfähiger Ausgleich nötig, um Schwankungen bei Wind- und Solarenergie aufzufangen. „Bisher wurde dafür vor allem Wasserkraft genutzt, aber jetzt ist das Kakhovka-Kraftwerk zerstört. Zudem weiß niemand, wann und wie exakt die Ukraine wieder aufgebaut wird, also haben wir keine verlässliche Voraussage zum Stromverbrauch. Meiner Meinung nach ist die einzige vernünftige Strategie, sich vollständig mit dem europäischen Markt zu verbinden, sodass wir den Ausgleich über die gesamte Region organisieren können.“

Seit März 2022 ist die Ukraine per Notsynchronisation ans europäische Stromnetz angeschlossen. Es gebe auch ein paar Stimmen gegen einen vollständigen Zusammenschluss, sagt Gramotenko, weil manche vom bisherigen System profitierten und die EU Korruptionsbekämpfung und Transparenz einfordere.

Zu den Unwägbarkeiten im Kontext von Zerstörung, Wiederaufbau und EU-Anbindung gehört auch der CO2-Preis. Mit dem EU-Assoziierungsabkommen von 2014 verpflichtete sich die Ukraine unter anderem, einen Emissionshandel aufzubauen. Der erste Schritt dafür sei eigentlich gerade vollbracht worden, erzählt Iryna Holovko, die zu dem Thema beim Thinktank Adelphi arbeitet. Ab 2022 hätten ukrainische Unternehmen ab einer gewissen Größenordnung ihre CO2-Emissionen vom Vorjahr melden müssen.

Wegen des Krieges sei das Gesetz aber ausgesetzt worden. „Die Daten wären ohnehin veraltet gewesen, weil es so viel Zerstörung gibt“, sagt Holovko. „Wir wissen nicht, wie die Wirtschaft nach dem Krieg aussehen wird, und um ein Emissionshandelssystem zu bauen, braucht man zuerst diese Daten.“ Für den Import von CO2-intensiven Produkten ohne gleichwertige Bepreisung will die EU an der Grenze einen entsprechenden Aufschlag einführen, einen Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM), der für gleiche Wettbewerbsbedingungen sorgen soll.

In der Vorkriegssituation wäre die Ukraine eines der am stärksten davon betroffenen Länder gewesen, sagt Holovko, mit vielen Exporten in die EU aus entsprechenden Sektoren, vor allem Eisen und Stahl, zudem Strom und Zement. Der CO2-Grenzausgleich sei daher ein großes Thema in der Ukraine gewesen und habe zu einem gewissen Grad auch die Klimapolitik vorangetrieben. „Jetzt ist ein großer Teil der Kapazität im Stahlsektor zerstört und viele Kohlekraftwerke sind beschädigt. Es ist sehr schwierig, Vorhersagen darüber zu treffen, wie schnell die Ukraine in der Lage sein wird, ihre Exportkapazitäten nach dem Krieg wieder aufzubauen.“

Der Grenzausgleich könne aber als Absicherung dagegen wirken, alles genau wie vorher zu errichten. „Weil er sich anbahnt, gibt es weniger Anreize für Unternehmen und die Regierung, Kohlekraftwerke wieder aufzubauen oder alte Stahlwerke, deren Technologie auf Kohle basiert.“ Holovko hält es allerdings für realistischer, dass die Ukraine in Zukunft zum Wasserstoff-Exporteur wird, als dass sie das Gas zur Herstellung von CO2-freiem Stahl im eigenen Land verwendet.

Investoren für diese teure und neue Technologie anzulocken und ihnen die nötige Sicherheit zu vermitteln, sei eine gewaltige Aufgabe. „Niemand redet darüber, aber ich denke, es ist sehr wahrscheinlich, dass die Ukraine diese großen Stahlkapazitäten nicht mehr haben wird. Es könnte einige kleinere Fabriken geben, aber nicht in der Größenordnung der Kapazitäten, die wir verloren haben. Zumindest nicht in der nächsten Zukunft, das wäre ein Wunder.“

Sauber, sicher und dezentral

Bei ukrainischen Umweltorganisationen stößt der Plan mit der großangelegten Wasserstofferzeugung auf Zurückhaltung. Denys Tsutsaiev von Greenpeace etwa findet das verfrüht. Zuerst müsse das Energiesystem auf die sichere Versorgung der eigenen Bevölkerung umgestellt werden. Er setzt dabei vor allem auf Wind- und Solarstrom, der in kleinen Erzeugungseinheiten statt in Großkraftwerken entsteht. Zudem sei es sinnvoll, bei den vielfach notwendigen Reparaturen an Gebäuden möglichst gleich auch energetisch das Beste herauszuholen, um Doppelarbeit und doppelte Kosten zu vermeiden.

Nachdem die Umweltszene für das Konzept eines grünen Wiederaufbaus geworben habe, spreche mittlerweile auch die Regierung immer öfter davon – allerdings sei damit nicht unbedingt dasselbe gemeint. Unter Dezentralisierung etwa versteht diese auch den Ausbau der Atomenergie, die bisher den größten Teil zum ukrainischen Strommix beitrug. Sie hofft dabei auf die Verfügbarkeit neuer, kleinerer Reaktoren, sogenannter Small Modular Reactors.

„Das ist aus unserer Sicht vollkommen inakzeptabel. Dezentralisierung sollte kleinskalig, lokal und sicher sein, wie bei erneuerbaren Energien“, sagt Tsutsaiev. Der Krieg habe erneut gezeigt, wie gefährlich die Atomenergie sei. Das sieht auch Yevheniia Zasiadko so, die bei Ecoaction die Klimaabteilung leitet. Außerdem bräuchten Atomkraftwerke viel Wasser, das durch den Klimawandel in ukrainischen Flüssen zurückgehen werde. Das Geld für die teuren Meiler solle daher besser in Erneuerbare fließen, die auch schneller zu installieren sind.

Das Thema grüner Wiederaufbau reiche aber noch weit über den Energiesektor hinaus. „Wir müssen über Ökosysteme nachdenken, über Biodiversität, über Zugang zu sauberem Wasser. Nach dem Kakhovka-Desaster wird das für den Süden eine große Herausforderung. Außerdem ist es wichtig, die lokale Bevölkerung einzubeziehen, Entscheidungen nicht nur in Kiew zu treffen, sondern auch in den Gemeinden.“

Zu Gesetzgebungsprozessen kommuniziere die Regierung aber derzeit kaum noch, sagt Zasiadko. Öffentliche Diskussionen fänden nicht mehr statt, von den Inhalten erfahre man meist erst nach dem Beschluss. Notwendig sei eine langfristige Vision, wie das Leben in der Ukraine in Zukunft aussehen soll. „Ich hoffe, dass wir bald gewinnen werden, und wenn das passiert, werden wir schnell handeln müssen. In einigen Teilen des Landes hat der Wiederaufbau schon begonnen. Also ist jetzt der Zeitpunkt, sich vorzubereiten.“

Solaranlage statt Diesel-Generator

An der Basisarbeit für den Wiederaufbau beteiligen sich die Umweltorganisationen auch selbst und zeigen in Beispielprojekten, wie CO2-freie Technologien bei unsicherer Energieversorgung helfen können. In Horenka bei Kiew etwa statteten sie das beschädigte Ortskrankenhaus mit Solaranlage, Speicher und Wärmepumpe aus. Solche Projekte würden jetzt überall in der Ukraine entstehen, Schulen, Krankenhäuser und Wasserwerke würden mit Solaranlagen bestückt, sagt Denys Tsutsaiev, der an dem Projekt in Horenka beteiligt war.

Die Gemeinden hätten verstanden, dass die Diesel-Generatoren für die Notversorgung keine gute Lösung seien: „Sie sind teuer, laut, dreckig, und man hat niemals eine Garantie, dass es genügend Treibstoff gibt.“ Tsutsaiev wirbt dafür, dass langfristig brauchbare Lösungen wie die Solarversorgung bei Hilfsprojekten künftig bevorzugt werden. Auch für Industrieverbraucher ist Solarenergie durch die fragile Versorgungslage attraktiver geworden, berichtet Oleg Gramotenko. Er kenne mehrere Fabriken, die Photovoltaikanlagen zum Eigenverbrauch errichtet hätten. Zumal es in der Ukraine auch in Friedenszeiten extrem teuer sein könne, eine Fabrik ans Stromnetz anzuschließen.

Greenpeace arbeitet nun daran, ukrainische Kommunen mit interessierten Städten in EU-Ländern zu vernetzen, die ohne Umwege über die Regierungen beim nachhaltigen Aufbau helfen wollen. Auch an vielen anderen Stellen entstehen Kooperationen, etwa zwischen den Erneuerbaren-Verbänden Deutschlands und der Ukraine, die im März ein „Memorandum of Understanding“ für eine Zusammenarbeit unterzeichnet haben.

Deutlich mehr Erneuerbare und ein Auslaufen fossiler Energien, vor allem wenn sie aus Russland stammen, das ist beim grünen Wiederaufbau der kleinste gemeinsame Nenner. Es sei „entscheidend, dass die Diskussion so früh begonnen hat, denn so besteht noch die Möglichkeit, grüne Kriterien in den Wiederaufbau zu integrieren“, sagt Adelphi-Expertin Holovko. „Es ist nicht so, dass man entweder alles schlecht macht oder alles vollkommen grün. Man kann irgendwo in der Mitte landen.“

Ein entscheidender Antrieb sei die Perspektive eines EU-Beitritts. Ohne sie und die europäischen Klimaschutzpläne wäre das Ganze in der Ukraine kein großes Thema. „Ich denke, das Ziel der EU-Mitgliedschaft ist das, was uns zum grünen Wiederaufbau führen kann“, sagt auch Yevheniia Zasiadko von Ecoaction. „Die Menschen wollen Teil der EU sein, das treibt uns seit 2014 an, die notwendigen Veränderungen vorzunehmen.“

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